Welche Schwerpunkte die Fachkräfteoffensive der Industrie setzt

Für die Industrie zählt das Finden qualifizierter Mitarbeiter zu den größten Herausforderungen. Verschärft wird dies durch die demografische Entwicklung.

Der Fachkräftemangel ist gerade in der Industrie eines der größten Hindernisse für die generell positive Wirtschaftsentwicklung. Für 62 Prozent der Industrieunternehmen ist das Finden geeigneter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine enorme Herausforderung, 55 Prozent halten Maßnahmen zur Reduktion des Fachkräftemangels für die wichtigste Forderung an die Politik. Das geht aus der jüngsten IV-Mitgliederumfrage hervor. Und angesichts der demografischen Entwicklung im In- und Ausland ist auf lange Sicht sogar von einem allgemeinen Arbeitskräftemangel auf allen Ebenen auszugehen. Bis 2030 wird es laut Statistik Austria in Österreich rund 170.000 Menschen weniger im Erwerbsalter geben, gleichzeitig sind in den letzten zehn Jahren 500.000 zusätzliche Arbeitsplätze entstanden.

Die Industriellenvereinigung hat diese Entwicklung auf der Agenda. Die IV-Task Force „Fachkräfte und Lehre“ unter der Leitung von Tatjana Gertner-Schaschl (Treibacher AG) war fixer Bestandteil des intensiven Prozesses rund um eine IV-Industriestrategie, die in den vergangenen Monaten entwickelt und beim „Tag der Industrie“ 2021 präsentiert wurde. Vertreterinnen und Vertreter aus mehr als 30 IV-Mitgliedunternehmen erarbeiteten darin Maßnahmenvorschläge, die kürzlich dem IV-Bundesvorstand und im November der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Umfassende Gesamtstrategie gefordert

Damit Maßnahmen nachhaltig wirken können, plädiert die Industrie für eine umfassende Gesamtstrategie zur Lösung des Fachkräfte- und Arbeitskräftemangels. Aus- und Weiterbildung, eine verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Berufstätigkeit von Frauen und Älteren oder qualifizierte Zuwanderung sollten aus IV-Sicht Teil der Strategie sein, um den Fachkräftenachwuchs zu sichern. Die weitere Attraktivierung der Lehre und die Vereinfachung und Digitalisierung der Anträge für die Rot-Weiß-Rot-Card sind Maßnahmen, die kurzfristig anzugehen sind. Für die Umsetzung braucht es zudem eine klare politische Verantwortung innerhalb der Bunderegierung in Form einer Schirmherrin oder eines Schirmherrn für das Anliegen.

In den kommenden Wochen und Monaten wird die IV das Thema auf allen Ebenen– politisch, medial und mit eigenen Beiträgen – vorantreiben. Eine tatsächliche und nachhaltige Verbesserung der Situation rund um Fachkräfte und Arbeitskräfte wird Unternehmen, Politik und den Arbeitskräften mit unterschiedlichsten Hintergründen nur gemeinsam gelingen.

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