Industrie-Konjunktur erreichte im Sommer ihren Plafond

Für 2021 erwartet die IV 3,5 Prozent Wirtschaftswachstum. Ob die Aufwärtsdynamik weiter anhält und wie sie sich entwickelt,zeigt das aktuelle IV-Konjunkturbarometer.

Die konjunkturelle Erholungsdynamik in der heimischen Industrie hat während der Sommermonate ihren Plafond erreicht, geht aus der jüngsten IV-Konjunkturumfrage zum zweiten Quartal 2021 hervor. Das IV-Konjunkturbarometer – der Mittelwert der Beurteilungen der gegenwärtigen Geschäftslage und der Geschäftslage in sechs Monaten – kletterte auf 42,5 Punkte und damit den höchsten Wert seit drei Jahren. Getragen wird dieser Anstieg allerdings ausschließlich von der Einschätzung der aktuellen Geschäftslage. Für die nächsten Monate rechnen die Unternehmen wieder mit etwas mehr Gegenwind. Dementsprechend trüben sich die Geschäftsaussichten in sechs Monaten zum zweiten Mal in Folge leicht von +19 auf +16 Punkte ein. IV-Chefökonom Christian Helmenstein erklärt dies mit Engpässen bei der Verfügbarkeit bestimmter Vorprodukte, insbesondere Halbleitern. Auf dem Markt für Baumaterialien ortet er hingegen bereits Anzeichen für eine allmähliche Entspannung.  

Volkswirtschaft erreicht Vor-Krisen-Niveau im 3. Quartal

Was erwartet die Industrie im zweiten Halbjahr 2021? Die Aufwärtsdynamik wird sich abschwächen, aber nicht abreißen – sofern keine „unvorhersehbaren exogenen Schocks“ auftreten. Als Gründe nennt Helmenstein die weiterhin ultraexpansive EZB-Geldpolitik sowie fiskalische Stimuli wie insbesondere die Investitionsprämie. „Für die österreichische Gesamtwirtschaft zeichnet sich 2021 eine kräftige Erholung mit einem BIP-Wachstum von rund 3,5 Prozent ab“, lautet die Prognose des IV-Chefökonomen. Die österreichische Volkswirtschaft dürfte während des dritten Quartals ihr Vor-Corona-Niveau wieder erreichen. In der Industrie wurde diese Marke schon gegen Ende des ersten Quartals dieses Jahres erreicht. Laut Statistik Austria lag der produzierende Bereich im Juli um zehn Prozent über dem Niveau vom Sommer 2019. 

Fachkräftemangel hemmt Erholungsdynamik

Auch für den Arbeitsmarkt sind das grundsätzlich positive Nachrichten: Die Industrie steht in Österreich trotz Corona-Krise für rund eine Million Arbeitsplätze. Der Konjunkturindikator „Beschäftigtenstand“ legt auf +36 Punkte zu – der höchste Wert seit Ausbruch der internationalen Finanzkrise 2008. Zwei von fünf Unternehmen beabsichtigen, ihren Beschäftigtenstand im laufenden dritten Quartal aufzustocken. Allerdings mit einer Einschränkung: „Es realisiert sich die scheinbar paradoxe Entwicklung des Nebeneinanders einer nach wie vor hohen Unterbeschäftigung in Form von Arbeitslosigkeit einerseits und eines sich rasch verschärfenden Fachkräftemangels andererseits. Letzterer trägt ebenfalls dazu bei, dass eine weitere Dynamisierung der Erholungsdynamik in der österreichischen Industrie nicht mehr zu erwarten ist“, so Helmenstein.   

Umso wichtiger sind jetzt aus Sicht der Industrie stabile Rahmenbedingungen für Unternehmen und ihre Beschäftigten, um das Wachstum in Österreich und den Aufbau von Arbeitsplätzen nachhaltig zu stärken. An der Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung beteiligten sich 394 Unternehmen mit rund 277.700 Beschäftigten.