Das Industrieland Österreich

Das Industrieland Österreich

Die Industrie ist der Motor für nachhaltiges Wachstum, Arbeitsplätze, Innovation und Lebensqualität in unserem Land. Doch was ist die Industrie eigentlich? Ein Überblick über die gängigsten Definitionen und die Leistung der Industrie für Österreich.

Die Industrie bringt für die Gesellschaft Arbeitsplätze, Wohlstand, Fortschritt und Zukunft. Jede Investition der Industrie ist eine Investition für Generationen. Wie kein anderer Sektor hat es der produzierende Bereich in Zeiten der zunehmenden Globalisierung verstanden, den Strukturwandel als Wachstumschance wahrzunehmen. Wie kein anderer Sektor ist die Industrie dem internationalen Konkurrenzdruck am härtesten ausgesetzt. Und wie kein anderer Sektor ist es der Industrie gelungen, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. 

Österreich zählt heute zu den modernsten Industrienationen der Welt. Die Industrie und die mit ihr verbundenen Sektoren bilden die Basis für wirtschaftlichen Erfolg, allgemeinen Wohlstand und hohe Lebensqualität im Land.  

In der öffentlichen Diskussion kursieren unterschiedliche Zahlen über Bedeutung der Industrie und ihren Beitrag für den Wohlstand in Österreich. Nachstehend eine Zusammenstellung der derzeit am häufigsten verwendeten Definitionen von Industrie

1. Der engste Begriff: „Sachgütererzeugung“ (EU: „Manufacturing“)

Die Sachgütererzeugung (seit einer Neuklassifizierung 2008 offiziell „Herstellung von Waren“ oder „verarbeitendes Gewerbe“ genannt) umfasst mehr als 25.000 Unternehmen und ist der engste Begriff der „Industrie“. Dieser Begriff wird auch in der EU-Kommissionsstrategie vom Oktober 2012 genannt. Hier geht es darum, die „Industriequote“ der EU von mehr als 15 auf 20 Prozent des BIP bis 2020 zu steigern. Österreichs „Industriequote“ liegt bei diesem engen Begriff bei 18,7 Prozent des BIP

2. „Industrie“

Oft wird auch von „Industrie (ohne Bau)“ gesprochen. Dann fällt der Bausektor aus dem „produzierenden Bereich“ heraus. Österreich liegt hier mit einer Industriequote von knapp 22 Prozent im oberen Feld der EU. 

3. „Produzierender Bereich“

Der produzierende Bereich wird von der Statistik Austria auch oft als „Produktion und Bauwesen“ bezeichnet und umfasst die Sachgütererzeugung, den Bergbau, die Energie- und Wasserversorgung und die Bauwirtschaft. Es ist die großzügigste international vergleichbare Abgrenzung der Industrie. Insgesamt beschäftigt dieser Wirtschaftsbereich (rund 67.000 Betriebe) rund eine Million Menschen in Österreich. Vergleicht man die Wertschöpfung der Industrie mit der Gesamtwertschöpfung in Österreich, erwirtschaftet dieser Wirtschaftsbereich 28,8 Prozent des heimischen BIP.  

4. Der „servoindustrielle Sektor“ als Antwort auf den strukturellen Wandel

In den vergangenen Jahrzehnten ist die Industrie weit über ihren zentralen Tätigkeitsbereich hinaus mit industrie- und produktionsnahen Betrieben und Unternehmen aus dem tertiären Sektor verschmolzen. Diese Vernetzung wird folgerichtig mit dem Begriff des „servoindustriellen Sektors“ erfasst, der neben den Herstellern von Waren auch die Bauwirtschaft, die Energieversorgung und vor allem auch sämtliche produktions- und industrienahe Dienstleistungen des Landes berücksichtigt. Die volkswirtschaftliche Bedeutung wird jährlich vom IWI (Industriewissenschaftliches Institut) berechnet. Der servoindustrielle Sektor mit seinen indirekten Effekten ist die größtmögliche Darstellung der Industrie.  

Der servoindustrielle Sektor in Österreich steht direkt und indirekt für 2,5 Mio. Arbeitnehmer – also zwei von drei Beschäftigungsverhältnissen in Österreich. Ebenso erwirtschaftet dieser Bereich eine Wertschöpfung im Ausmaß von mehr als 180 Mrd. Euro, also einem Anteil von mehr als 55,1 Prozent an der Gesamtwirtschaft

Foto: IV

Aktuelle Zahlen, Daten & Fakten
  • Von dreieinhalb Euro, die in Österreich erwirtschaftet werden, stammt ein Euro direkt aus der Industrie. In Großbritannien ist dies nur jedes fünfte Pfund, in Frankreich sogar nur einer von fünfeinhalb Euro. Und dabei wird nur der direkte Beitrag der Industrie berücksichtigt, nicht aber die ebenfalls enorm bedeutenden industrienahen Dienstleistungen.
  • Auch beschäftigungsmäßig sticht die österreichische Industrie gerade im europäischen Vergleich heraus: Trotz der schwersten Wirtschaftskrise der Neuzeit bietet die Industrie im Inland heute um 15 Prozentmehr Arbeitsplätze als noch vor einer Dekade.
  • Die Industrie schafft Zukunft, davon profitieren die Menschen im Land. Fast die Hälfte aller Forschungsausgaben in Österreich kommen aus der Industrie. Zudem haben Unternehmen, die stark in Forschung und Entwicklung investieren, ein drei Mal höheres Beschäftigungswachstum und eine bis zu 17-fach höhere Exportquote als andere Betriebe.
  • 53 Prozent des österreichischen BIP werden durch Exporte generiert. Der produzierende Bereich (ohne Bauwesen) erwirtschaftet 57 Prozent ihrer Umsätze mit dem Export. Jährlich werden Waren im Wert von über 15.000 Euro pro Einwohner exportiert. Der Außenhandel sichert direkt und indirekt Arbeitsplätze für rund 1,7 Millionen Menschen. Jedes Prozent mehr an Exporten bedeutet 10.000 neue Jobs.
  • Österreich ist die Heimat von mehr als 160 „Hidden Champions“ – bezogen auf die Landesgröße sind das mehr als überall sonst auf der Welt. Es sind Unternehmen, die entweder eine Top 3-Position auf dem Weltmarkt belegen oder Nummer 1 auf einem Kontinent sind. Drei von vier dieser „Hidden Champions“ kommen aus der Industrie.

Die Lehrlingsausbildung hat einen hohen Stellenwert in der Industrie: Mit rund 14.000 Lehrlingen zählt sie zu den wichtigsten Lehrlingsausbildnern des Landes. Heimische Industriebetriebe nehmen im Durchschnitt rund 104.000 Euro für die qualitativ hochwertige Lehrlingsausbildung und somit für die Zukunft eines Jugendlichen in die Hand, das ist mehr als alle anderen Wirtschaftssparten.