„Literaturpreis der Österreichischen Industrie – Anton Wildgans“ an Sabine Scholl verliehen

IV-GS Neumayer: Wildganspreis als Bekenntnis zu Vielfalt und kultiviertem Diskurs

„Wir feiern heute die Literatur. Und stellvertretend für die Literatur feiern wir ein ganz besonderes Werk – jenes von Sabine Scholl“, erklärte der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Christoph Neumayer, Dienstagabend anlässlich der Verleihung des „Literaturpreises der Österreichischen Industrie – Anton Wildgans“ 2018 an die österreichische Schriftstellerin Sabine Scholl im Wiener Haus der Industrie. „Sie ist keine, die lautstark hinausschreit. Sie differenziert und verlässt sich auf die Kraft ihrer Sprache“, würdigte der IV-Generalsekretär das Schaffen der Preisträgerin. In Zeiten, in denen „Debatten in der Öffentlichkeit schon einmal kultvierter ausgefallen sind“, mute dies fast schon ein wenig unzeitgemäß an. Umso mehr werde durch die Auszeichnung Sabine Scholls aber die Natur des „Wildgans-Preises“ als Bekenntnis zur Vielfalt, zu einem kultivierten Diskurs und als fachlich fundiertes Korrektiv offenbar. „Zu dieser Vielfalt bekennen wir uns auch als Industrie, indem wir unsere Rolle und Verantwortung als Unterstützer von Kunst und Kultur leben – wie wir das seit mehr als 50 Jahren mit dem ‚Wildgans-Preis‘ tun“, so Neumayer, der Sabine Scholl nochmals herzlich zur Auszeichnung gratulierte.

Laudatorin Gruber: Beachtliches Werk geschaffen, noch vieles zu erwarten

Sabine Scholl beschreibe Menschen, welche die Sicherheit in ihrem Leben verloren haben. Man könne sie als „engagierte, politische Autorin bezeichnen, wäre eine solche Bezeichnung nicht zu eng“, so Prof. Marianne Gruber, Ehrenpräsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Literatur, in ihrer Laudatio. „Wie unsere Welt bewältigen, die Fluchtbewegungen, die Fremde, die Fremdheit? Und die Sehnsucht, sie zu überwinden? Was bedeutet heute das Wort Zuhause? Gibt es das überhaupt noch in einer globalisierten Welt, in der viele Wege offen zu stehen scheinen, die sich rasch verengen und den Raum der Möglichkeiten eingrenzen und Gewissheiten rar werden lassen, nach den inneren Anliegen“, umfasste Gruber in groben Zügen einige der großen Fragen im Werk der Preisträgerin. Sabine Scholl erzähle engagiert, aber unaufgeregt – „eine literarisch wie menschlich selten vorhandene Tugend in einer mehr und mehr zu Hysterie neigenden Zeit. Die Aufregung entsteht in den Lesenden, nun aber nicht mehr hysterisch, sondern voll Empathie, vielleicht auch beschämt. Und eine Toleranz tritt in den Texten zutage, die nicht von Gleichgültigkeit gespeist wird oder von Unwissen“, hob Gruber hervor. Der einstimmige Beschluss der Jury, den Wildganspreis an Sabine Scholl zu vergeben, sei daher in der Tat ganz gemäß den Satzungen erfolgt, „indem er an eine Autorin geht, die bereits ein beachtliches Werk geschaffen hat, von der aber auch in Zukunft vieles zu erwarten ist“, so die Laudatorin abschließend.

Wildgans-Preis seit 1962 durch unabhängige Jury vergeben

Der mit 15.000 Euro dotierte Preis wird bereits seit 1962 von einer unabhängigen Jury vergeben. Die Begründung der Jury – bestehend aus Prof. Marianne Gruber (Ehrenpräsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Literatur), Univ.-Prof. Dr. Johann Holzner (vorm. Leiter des Brenner-Archivs an der Universität Innsbruck) und Barbara Neuwirth (Schriftstellerin) – für die Auswahl der Autorin: „Sabine Scholl erzählt in klarer Sprache von Menschen, denen die Sicherheit verloren ging. In präzisen, verknappten Bildern spricht sie über andere Kulturen und betrachtet kritisch die eigene.“ Der Preis wird auf Vorschlag der unabhängigen Jury einem Schriftsteller oder einer Schriftstellerin der jüngeren oder mittleren Generation mit österreichischer Staatsbürgerschaft verliehen, „dessen oder deren Werk von hervorragender Relevanz für die literarische und gesellschaftliche Korrelation unserer Zeit ist.“ Er gehört zu den renommiertesten österreichischen Literaturpreisen. Unter den Preisträgerinnen und Preisträgern befinden sich eine Reihe von prominenten Autorinnen und Autoren der Zweiten Republik wie Ingeborg Bachmann, Thomas Bernhard, Michael Köhlmeier, Arno Geiger, Sabine Gruber, Olga Flor, Norbert Gstrein, Robert Seethaler, Erich Hackl und Margit Schreiner.

Sabine Scholl – Zur Person

Sabine Scholl, geboren am 28. März 1959 in Grieskirchen, studierte von 1978 bis 1987 Germanistik, Geschichte und Theaterwissenschaft an der Universität Wien. 1987 promovierte sie mit einer Arbeit über Unica Zürn zum Doktor der Philosophie. Von 1988 bis 1990 war sie Lektorin an der Universität Aveiro in Portugal. Seit 1990 ist sie freie Schriftstellerin. Als Autorin nahm sie am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 1992 in Klagenfurt teil, 1996 als Mitglied der Jury. Sie nahm Lehraufträge an diversen Hochschulen wahr. Von 1996 bis 2000 lebte sie in Chicago, von 2000 bis 2001 in New York, 2003/04 in Nagoya/Japan und heute in Berlin. Ihr Werk umfasst Romane, Essays, Gedichte, Theaterstücke und Hörspiele. Aus Scholls Feder stammen u.a. „Haut an Haut“, „Die Welt als Ausland. Zur Literatur zwischen den Kulturen“, „Sprachlos in Japan. Notizen zur globalen Seele“ oder „Die Füchsin spricht“. Sabine Scholl ist Mitglied der Grazer Autorenversammlung und des PEN-Zentrums Deutschland sowie Trägerin zahlreicher renommierter literarischer Preise und Auszeichnungen.

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