Gemeinsam fair arbeiten – warum Österreich flexible Arbeitszeiten braucht

Österreich hat ein veraltetes und sehr restriktives Arbeitszeitrecht. Flexible Arbeitszeiten ermöglichen erfolgreiches Arbeiten, sichere Jobs und bessere Freizeitgestaltung. 

Arbeit, Soziales & Gesundheit
Arbeitszeit flexibel

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Warum benötigen Österreichs Unternehmen sowie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter flexible Arbeitszeiten?

Internationaler Wettbewerbsdruck; kürzere Produktionslebenszyklen; stärkere Konjunkturschwankungen; weltweit wird immer weniger auf Lager produziert; Aufträge werden immer kurzfristiger storniert, erteilt und abgearbeitet. Flexible Arbeitszeiten werden in allen Ländern immer wichtiger, damit Unternehmen und Beschäftigte in der modernen Wirtschafts- und Arbeitswelt erfolgreich sein können. Allerdings: Österreichs aktuelle Arbeitszeitregeln wurden lange vor der Digitalisierung entwickelt und gehen von starren Beschäftigungsanforderungen aus.

Außerdem: Österreich profitiert von der Internationalisierung bereits jetzt. Der Außenhandel sichert 1,7 Mio. hochwertige Arbeitsplätze im Land. Untrennbar verbunden ist also die Zukunft Österreichs und die nachhaltige Finanzierung des Sozialsystems mit den Erfolgen unserer Unternehmen in aller Welt und unserer Wettbewerbsfähigkeit. (siehe IV-Kompakt: Welthandel: Chancen internationaler Märkte nutzen)

Fazit: Moderne Arbeitszeiten, sichere und gute Arbeitsplätze, soziale Sicherheit und wettbewerbsfähiger Standort hängen zusammen.


Wie haben andere Länder Arbeitszeiten besser für Unternehmen und Arbeitnehmerinnen sowie Arbeitnehmer geregelt?

Der internationale Vergleich zeigt: Je flexibler die Arbeitszeit, desto fortschrittlicher der Standort. In Dänemark und Schweden können mehr als 80 Prozent der Unternehmen mit mehr als 9 Beschäftigten flexibel arbeiten. In den „Parade-Sozialstaaten“ Norwegen und Schweden gibt es nur Vorgaben für Ruhepausen, aber keine gesetzlichen Höchstgrenzen für die tägliche und wöchentliche Tageshöchstarbeitszeit. Eine tägliche Arbeitszeit von 13 Stunden ist daher möglich.

Das ist übrigens auch in Österreich der Fall – allerdings nur in einzelnen Bereichen. So gestatten das Beamten-Dienstrecht und das Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz 13 Stunden Tagesarbeitszeit und eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 48 Stunden innerhalb eines Durchrechnungszeitraumes von 17 Wochen. Grundsätzlich ist Österreich eines der EU-Länder mit der niedrigsten Höchstarbeitszeit, diese beträgt 10 Stunden.   


Was haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von flexiblen Arbeitszeiten?

Bessere Zeiteinteilung: Laut einer market-Umfrage würden neun von zehn Beschäftigte phasenweise bis zu zwölf Stunden arbeiten, wenn dadurch ein zusätzlicher freier Tag und Freizeit gewonnen wird.

Familie und Beruf: Acht von zehn Beschäftigte sehen durch flexiblere Arbeitszeiten auch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Sichere Arbeitsplätze: 87 Prozent der befragten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind überzeugt, dass flexible Arbeitszeiten Beschäftigung sichern. Internationaler Wettbewerb, Kundenerwartungen und Auftragsschwankungen erfordern Flexibilität. 


Was braucht die Industrie, um weiterhin hochwertige Arbeitsplätze in Österreich sichern zu können?

Flexibel arbeiten heißt nicht Mehr arbeiten! Es geht um eine bessere und faire Verteilung der Arbeitszeit – nicht um eine Arbeitszeitverlängerung.

Die Industrie plädiert insgesamt für praktikable Arbeitszeiten, die wettbewerbsfähiges und damit erfolgreiches Arbeiten für alle ermöglichen. Dabei geht es vor allem um eine mögliche Höchstarbeitszeitgrenze von 12 Stunden – womit man in der EU weiterhin nur im Durchschnitt läge. Übrigens: „12 Stunden Tageshöchstarbeitszeit bei Gleitzeit unter Einhaltung der wöchentlichen Höchstarbeitszeit von 50 Stunden zur Erreichung größerer Freizeitblöcke“ wurde bereits im Regierungsprogramm 2013 festgehalten.

Sinnvoll wären zudem noch weitere Flexibilisierungsschritte bei Normalarbeitszeit, Höchstarbeitszeit, Durchrechnungszeitraum sowie Ruhezeiten bzw. Wochenendruhe. Ein gutes Beispiel ist die EU-Arbeitszeitrichtlinie, die keine Höchstarbeitszeitgrenze pro Tag und Woche vorsieht, sondern eine tägliche Ruhezeit von 11 Stunden. Die durchschnittliche Arbeitszeit darf in vier Monaten nicht höher als 48 Stunden sein.


Gibt es gesundheitliche Auswirkungen bei anderen Arbeitszeiten?

Schweden wurde als Musterbeispiel für flexible Arbeitszeiten genannt. In der OECD gibt es kein Land, in dem die Menschen eine höhere Gesundheitserwartung haben. Hingegen haben die Österreicherinnen und Österreicher mit niedrigeren Tageshöchstarbeitszeiten eine Gesundheitserwartung, die unter dem EU-Schnitt (!) liegt. 

 

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