Industrie zu Jobgipfel: Fachkräftemangel und Arbeitslosigkeit effektiv bekämpfen

IV-GS Neumayer: Beschäftigungsanreize setzen – Potenziale im In- und Ausland heben – Rot-Weiß-Rot-Karte verbessern – Gesamtstrategie für qualifizierte Zuwanderung

„Die nach wie vor zu hohe Arbeitslosigkeit zählt ebenso wie der Fachkräftemangel zu den größten Zukunftsherausforderungen für unser Land. Es braucht jetzt einen klugen Mix an konkreten Maßnahmen, die den Mangel an qualifizierten Fachkräften kurzfristig lindern und nachhaltig beheben sowie die Arbeitslosigkeit effektiv bekämpfen. Die Industrie unterstützt daher sämtliche Initiativen und Impulse, die eine nachhaltige Wirkung entfalten – alleine in der Industrie können heuer 10.500 Stellen nicht besetzt werden“, betonte der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Christoph Neumayer, nach dem Jobgipfel am heutigen Mittwoch. Österreich als ehemaliger „Musterschüler in Sachen Arbeitsmarkt“ sei im EU-Vergleich bei der Arbeitslosenquote von der Spitzenposition auf Platz 10 abgerutscht, verdeutlichte Neumayer den Handlungsbedarf. „Als positiven Beschäftigungsanreiz schlägt die Industrie vor, die zu hohe Last an Lohnnebenkosten weiter spürbar zu senken“, so Neumayer, der darauf verwies, dass die heimischen Lohnnebenkosten im vergangenen Jahr um vier Prozentpunkte höher lagen als in Deutschland. Als weitere Impulse zur Senkung der Arbeitslosigkeit nannte der IV-Generalsekretär arbeitsmarktpolitische Maßnahmen, etwa bei Schulungsangeboten verstärkt auf die Zusammenarbeit mit Unternehmen zu setzen oder Maßnahmen zur Steigerung der Effizienz in der Arbeitslosenversicherung. 

Anzahl der MINT-Absolventen erhöhen

Als „klugen und richtigen Ansatz“ bezeichnete Neumayer die Absicht der Bundesregierung, den Fachkräftemangel auf drei Ebenen anzugehen: Erstens gelte es, das Potenzial in Österreich bestmöglich zu heben. Erforderlich dafür seien eine weitere Modernisierung und Imageverbesserung der Lehrberufe sowie die stärkere Unterstützung der betrieblichen Lehrausbildung durch das AMS. Zudem fordert die Industrie, die Zahl der MINT-Graduierten aus HTL, FH und Universitäten mittelfristig um 20 Prozent zu erhöhen, wofür bis 2022 die Rahmenbedingungen zu schaffen sind. „Das erfordert unter anderem den Ausbau jenes Schultyps, der zum echten Standortvorteil geworden ist – der HTL und den Ausbau der Fachhochschulstudienplätze auf 60.000 mit starkem Fokus auf den MINT-Bereich“, so Neumayer.  Außerdem plädiert die Industrie zur Qualitätssteigerung der Grundbildung für „ein attraktives, motivierendes Modell einer neuen Bildungspflicht“. Diese ende nicht durch Absitzen von Schuljahren, sondern durch einen Grundbildungsnachweis als Meilenstein am Ende der Pflichtschulzeit und erleichtert den Einstieg in den Arbeits- bzw. Berufsmarkt massiv.

Strategische Zuwanderungspolitik aus Drittstaaten

Als zweite und dritte Säule einer „ziel- und lösungsorientierten Politik zur Behebung des Fachkräftemangels“ bezeichnete der IV-Generalsekretär Maßnahmen, um die qualifizierte Zuwanderung aus der Europäischen Union und Drittstaaten im Sinne einer Gesamtstrategie zu steuern. „Innerhalb der EU müssen wir überlegt proaktive Menschen anwerben und bestehende Mobilitätsbarrieren abbauen. Wir benötigen attraktive Mobilitätsprogramme – dafür wird eine Analyse des Bedarfs und der benötigten Kompetenzen bzw. Qualifikationen nötig sein“, erklärte Neumayer. Bei der Frage der strategischen Zuwanderungspolitik aus Drittstaaten fordert die Industrie ein proaktives Konzept sowie – kurzfristig – Verbesserungen bei der Rot-Weiß-Rot-Karte, bei denen „die in der Praxis gemachten Erfahrungen einfließen“ sollten. „Die Mangelberufsliste sollte so gestaltet werden, dass künftig gerade auch der regionale Bedarf ergänzende Berücksichtigung findet“, erklärte der IV-Generalsekretär, der zudem eine deutliche Verkürzung der Verfahren bei der Rot-Weiß-Rot-Karte forderte. Positiv bewertet die Industrie die von der Bundesregierung angekündigte Regelung, dass Jugendliche aus Drittstaaten, die in Österreich einen Pflichtschulabschluss machen, die Möglichkeit erhalten, auch eine Lehre zu absolvieren.

„Wichtig ist, dass allgemein verstanden wird, dass relativ hohe Arbeitslosigkeit und Fachkräftemangel kein Widerspruch sind. Die Verfügbarkeit von qualifizierten Fachkräften ist ein wichtiger Erfolgsfaktor für einen Wirtschaftsstandort und wesentlicher Grund für wichtige Standort-Investitionen in Österreich“, so Neumayer abschließend.

IV-IconInformationen zum Beitrag



IV-IconVerwandte Themen


Bildung & Gesellschaft

Industrie zu heutigem Ministerrat: Stärkung der betrieblichen Lehrausbildung und KI-Strategi...

IV-GS Neumayer: Regierung setzt wichtige Schritte gegen den Fachkräftemangel – „Artificial Intelligence Mission Austria 2...

Arbeit, Soziales & Gesundheit

KV-Verhandlungen: Sozialpartnerschaftliche Verantwortung tragen, heißt faire Lösungen für Un...

IV-GS Neumayer: Parteipolitik endlich aus KV-Verhandlungen heraushalten – Gesellschaftspolitische Verantwortung übernehme...

Bildung & Gesellschaft

Reform der Rot-Weiß-Rot-Karte rasch umsetzen

IV-GS Neumayer: Überarbeitung der Mangelberufsliste wichtiger Schritt – Brauchen strategisches Konzept für qualifizierte ...

Bildung & Gesellschaft

Herausforderung Fachkräftemangel zielgerichtet angehen

Fachkräftelücke in der Industrie heuer bei 10.500 – Im Bildungssystem und bei qualifizierter Zuwanderung ansetzen

Arbeit, Soziales & Gesundheit

Arbeitsmarkt: Reformen weiter umsetzen, Fachkräftebedarf sichern

IV-GS Neumayer: Regierungsprogramm zu fairer Arbeitszeitmodernisierung und Arbeitslosengeld Neu umsetzen – Beschäftigungs...

Arbeit, Soziales & Gesundheit

Industrie zu Arbeitsmarkt: Standort stärken, Reformen umsetzen

IV-GS Neumayer: Arbeitslosigkeit sinkt, aber Österreich nicht mehr unter EU-Top 10 – Fachkräfteoffensive starten, Beschäf...

IV-IconPOSITIONEN

Das Magazin der Industrie.
Hier lesen Sie die aktuelle Ausgabe.

Neueste Ausgabe lesen

IV-IconPOSITIONEN

Das Magazin der Industrie.
Hier lesen Sie die aktuelle Ausgabe.

Neueste Ausgabe lesen
iv-positionen Bild