IV-ZukunftsMonitor: So denkt Österreich 2020

IV-Präs. Kapsch: Haltung zu wichtigen Zukunftsfragen messbar machen – Österreichs Gesellschaft grundsätzlich zufrieden – Bildung entscheidender Hebel, um Chancengleichheit zu stärken

IV-Präsident Georg Kapsch

„Es ist gelungen, gesellschaftliche Entwicklungen und Befindlichkeiten sowie die Haltung zu wichtigen Zukunftsfragen umfassend in Zahlen zu gießen und messbar zu machen“, so der Präsident der Industriellenvereinigung (IV), Mag. Georg Kapsch, heute, Montag, zu den Ergebnissen des von der IV in Auftrag gegebenen ZukunftsMonitors. Gemeinsam mit dem Institut für empirische Sozialforschung (IFES) und der Universität Wien wurde ein völlig neues Untersuchungsdesign etabliert, das umfassende empirische Daten über den aktuellen und künftigen Zustand der Gesellschaft liefert. „Wirtschaft ist immer Teil der Gesellschaft und nicht ihr Gegenüber. Verantwortung für Land und Menschen zu übernehmen, gehört zur Mission der Industriellenvereinigung. Mit dem ZukunftsMonitor haben wir daher ein Instrument entwickelt, das Wirtschaft und Politik helfen soll zu erkennen, wie die österreichische Gesellschaft aktuell und in naher Zukunft denkt. Uns interessieren die harten Faktoren, etwa Steuer- oder Schuldenquote, mit denen wir tagtäglich konfrontiert sind. Wir spüren aber ebenso die weichen Faktoren, etwa in Gesprächen mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern oder in Diskussionen, die wir auf der Straße oder in den Medien führen. Uns müssen auch die genauen Beweggründe für das Wohlbefinden der Menschen in einer Gesellschaft interessieren“, hält Kapsch fest.

Die wichtigsten Ergebnisse im Detail – Wertekanon wird geteilt: Respektvoller Umgang, persönliche Freiheit besonders wichtig

Zu den positiven Aspekten der aktuellen Ergebnisse zählt, dass ein bestimmter Wertekanon von allen demografischen und sozioökonomischen Gruppen geteilt wird. Höchste Werte sind ein respektvoller Umgang miteinander (für 94% äußerst oder sehr wichtig), persönliche Freiheit (93%), Gleichberechtigung von Frauen (82%), Eigenverantwortung (90%) und Chancengerechtigkeit/Fairness (87%). Bei rund drei Viertel der Befragten herrscht hohe Zufriedenheit was das subjektive und soziale Wohlbefinden betrifft – ähnliches gilt für die eigene berufliche Tätigkeit (62%). Die Gesellschaft als Ganzes wird hingegen mehrheitlich (60%) als eher ungerecht empfunden. Als möglicher Grund stellt sich der hierzulande immer noch hohe Vererbungsgrad von Bildung dar.

Kapsch: Bildungssystem reformieren, gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken

„Bei der Studie geht es nicht um Zahlen und Fakten, es geht um Empfinden. Wahr ist auch, was man wahrnimmt. Zwar ist der Grad an Zufriedenheit in der Gesellschaft grundsätzlich ein hoher, das recht ausgeprägte Ungerechtigkeitsempfinden muss uns aber zu denken geben – gerade, wenn es um die Herstellung von Chancengleichheit auf allen Ebenen geht“, sieht Kapsch einen klaren Handlungsauftrag an die nächste Bundesregierung: „Die einzige Möglichkeit, die wir haben, heißt Bildung, Bildung und noch einmal Bildung. Denn bessere Bildung und Ausbildung bedeuten höhere Qualifikation und damit bessere Chancen am Arbeitsmarkt, auf ein selbstbestimmtes Leben, auf individuellen Wohlstand und auch auf soziale Sicherheit. Das stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“ Es gelte daher, grundlegende Reformmaßnahmen im Bildungsbereich, wie sie auch seitens der Industrie seit längerem gefordert werden, zügig anzugehen, u.a.:

  • Aufwertung der Elementarbildung durch bundesweit einheitliche Qualitätskriterien und zwei verpflichtende Kindergartenjahre
  • Neustrukturierung der Grundbildung von 4 bis 14 Jahren; Abschluss mit einem aussagekräftigen „Grundbildungsnachweis“
  • Ausbau von verschränkten Ganztagesschulen
  • Aufwertung der Lehre und Reform der 9. Schulstufe
  • Stärkerer Fokus auf Digitalisierung und digitale Kompetenzen, auch beim Lehrpersonal
  • Mehr personelle, finanzielle und pädagogische Autonomie für die Schulen

„Der Bildungsbereich ist der Schlüssel, mit dem wir die Chancengerechtigkeit erhöhen können. Hier liegen die Konzepte seit Jahren auf dem Tisch. Was hier versäumt wird, kann aus gesellschafts- wie auch aus wirtschaftspolitischer Sicht später entweder gar nicht oder nur in Verbindung mit hohen Kosten wieder wettgemacht werden“, so der IV-Präsident, der ein Missverhältnis zwischen finanziellem Input und qualitativem Output im Schulsystem sieht. „Nicht zuletzt im Interesse einer zufriedenen, offenen und als gerecht empfundenen Gesellschaft müssen wir hier besser werden. Das ist eine der wichtigsten Aufgaben, der sich jede neue Bundesregierung annehmen muss“, so der IV-Präsident abschließend.

Der IV-ZukunftsMonitor – Zur Methodik

Der ZukunftsMonitor wurde von der Industriellenvereinigung in Kooperation mit dem Institut für empirische Sozialforschung (IFES) und der Universität Wien (Institut für Soziologie) durchgeführt. Er basiert auf 1.200 Mixed-Mode Interviews und bezieht sich auf die Themenbereiche gesellschaftlicher Zusammenhalt, Lebensqualität, Politik, globale Entwicklung und Innovationsfreudigkeit. Der ZukunftMonitor soll künftig jährlich durchgeführt werden.

Weitere Informationen unter: www.zukunftsmonitor.at

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