Industrie zu Schulschließungen: So lange wie vertretbar offen halten

IV-Präs. Knill: Riesige Herausforderung für Betroffene – Langzeitfolgen für Bildungserfolg und Volkswirtschaft nicht abschätzbar – Schulschließung nur letztes Mittel

„Gerade in herausfordernden Zeiten braucht es ein Mindestmaß an Planbarkeit“, betont der Präsident der Industriellenvereinigung (IV), Georg Knill, anlässlich der Diskussionen über mögliche neuerliche Schulschließungen. Habe es vor einer Woche noch geheißen, das Infektionsgeschehen an Pflichtschulen solle nach zwei Wochen evaluiert werden, mehrten sich mittlerweile die Anzeichen für ein unmittelbares Bevorstehen neuerlicher Verschärfungen. „Wir haben größten Respekt vor der aktuellen Gesundheitssituation. Gleichzeitig brauchen alle Beteiligten zumindest eine grobe Perspektive, wie die nächsten Monate bewältigt werden können“, so Knill. Die Industrie habe dabei Lehrende, Lernende, Eltern, aber auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Unternehmen im Blick. „Ein ‚Lockdown durch die Hintertür‘ sollte das letzte Mittel der Wahl sein“, mahnt der IV-Präsident zu Vorsicht.

Langfristige Folgen nicht abschätzbar, Gegensteuern notwendig

Aus Sicht der Industrie gelte es auch, den volkswirtschaftlichen Schaden des neuerlichen Lockdowns zu berücksichtigen. „Der Rückgang der österreichischen Wirtschaftsleistung wird nach derzeitigen Berechnungen mit 7,8 Prozent voraussichtlich rund doppelt so hoch ausfallen wie jener der Wirtschaftskrise in den Jahren 2008/2009“, so Knill. Die neuerliche Schließung von Kindergärten und Pflichtschulen würde dies noch verschlimmern, auch weil viele Eltern ihren Betreuungsplichten nachkommen müssten und den Unternehmen fehlten.

Dabei gehe es nicht nur um die wirtschaftlichen Folgen: Große Herausforderungen gebe es zudem im Bildungsbereich, da die Konsequenzen für den Bildungserfolg der Kinder und Jugendlichen nicht abschätzbar seien. „Es zeichnet sich ab, dass es nicht nur wirtschaftliche, sondern auch bildungspolitische Reparatur- und Unterstützungsmaßnahmen braucht, um langfristige Konsequenzen abzufedern“, erklärt Knill. Im Frühlings-Lockdown waren 12 Prozent der Kinder (davon 36 Prozent aus sozial schwachem Umfeld) nicht für die Lehrerinnen und Lehrer erreichbar, ein Drittel war von schlechten Rahmenbedingungen betroffen. „Ich appelliere eindringlich an alle bildungspolitisch Verantwortlichen, hier gegenzusteuern – jetzt, aber auch in Zukunft.“ Es dürfe zu keiner verlorenen „Corona-Generation“ kommen, „deshalb sollen die Schulen so lange wie vertretbar geöffnet bleiben“, so Knill abschließend.

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