Industrie zu AK: Negative Einstellung gegenüber Kapital kontraproduktiv für Jobs

IV-Ökonom Wallner: Österreich gemäß Gini-Koeffizient unter am gleichmäßigsten umverteilten Staaten der Welt – Anteil der Transferleistungen so hoch wie in keinem anderen OECD-Land – Ständiges „Reichen-Bashing“ hilft nicht bei Ausgabenproblem

„Noch mehr Umverteilung kann mit Sicherheit nicht prioritäres Thema der österreichischen Wirtschaftspolitik sein. Angesichts der höchsten Umverteilungsquote aller OECD-Staaten und einer der höchsten Steuer- und Abgabenquoten der Euroländer entbehrt der Ruf nach mehr Verteilungsgerechtigkeit jeder Grundlage“, so der wirtschaftspolitische Koordinator der Industriellenvereinigung (IV), Clemens Wallner, heute Dienstag, zu den jüngsten Aussagen der Arbeiterkammer.

„Die negative Einstellung gegenüber Kapital in Österreich ist kontraproduktiv, wenn wir Investitionen in den Standort und damit Arbeitsplätze forcieren wollen. Für Investitionen benötigen wir Kapital und privates Vermögen im Land, wenn wir uns nicht nur im Ausland verschulden wollen. Das Vermögen der privaten Haushalte in Österreich ist im internationalen Vergleich sehr gering. Fast alle anderen OECD-Staaten weisen höhere Werte auf“, so Wallner. Auch die Verteilung der Vermögen müsse relativiert werden. „Nicht die ‚Reichen‘ in Österreich sind zu reich, sondern die einkommensärmeren Haushalte und der untere Mittelstand haben in Österreich durchaus weniger Notwendigkeit zur Vermögensbildung und damit zur Konsumzurückhaltung. Das liegt daran, dass die staatliche Pensionsvorsorge, Krankenversicherung, Bildungsleistungen und die Wohnbauförderung sehr stark ausgebaut sind und die Menschen daher kaum privat vorsorgen müssen. Die Arbeiterkammer sollte daher mehr Ressourcen darauf verwenden, wie mehr Wohlstand für alle in Österreich geschaffen werden kann, statt ständig neue wachstumsschädliche Maßnahmen zu fordern“, so Wallner.

Der Schlüssel zum Erhalt des Wohlstandes sei nicht noch mehr Umverteilung, sondern mehr Produktivität. „Österreich muss daher durch nachhaltige Reformen dafür sorgen, dass nicht weiterhin das Steuergeld der Bürgerinnen und Bürger in ineffizienten Strukturen versickert, sondern im Gegenzug Mittel in die wachstumsstärkenden Bereiche – Bildung, Forschung sowie Innovation – umgeleitet werden können. Österreich hat eben kein Einnahmen-, sondern ein klares Ausgaben-Problem. Ständiges ‚Reichen-Bashing‘ hilft hier keinen Millimeter weiter“, betonte Wallner.

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