Schwungvolle Herbstkonjunktur

IV-GS Neumayer: Wirtschaftspolitische Rahmenbedingen setzen, um Aufschwung zu unterstützen – IV-Chefökonom Helmenstein: Konjunkturmotor läuft auf hoher Drehzahl – Zunehmende Diskrepanz von Konjunkturlage und Konjunkturaussichten – Anhaltender Beschäftigungsaufbau – Verschärfter Kostendruck

PK IV-Konjunkturumfrage 3. Quartal 2017

„Österreich als kleine offene Volkswirtschaft mit starker Einbettung in internationale Wertschöpfungsnetzwerke partizipiert am europäischen Konjunkturaufschwung“, erklärte IV-Generalsekretär, Christoph Neumayer, in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit IV-Chefökonom Christian Helmenstein bei der Vorstellung der Resultate des aktuellen Konjunkturbarometers aus dem 3. Quartal 2017 am heutigen Dienstag.

Nach den letztverfügbaren Angaben wuchs die österreichische Wirtschaft um real 0,9 Prozent im 2. Quartal 2017 im Vergleich zum Vorquartal. Mit diesem Wert positioniert sich Österreich auf Rang 10 und damit im Mittelfeld der Europäischen Union sowie etwas oberhalb des Durchschnitts von 0,6 Prozent (Eurozone) beziehungsweise 0,7 Prozent (EU-28). Vor Österreich rangieren aber nicht nur zentral- und osteuropäische Länder (allen voran Tschechien und Rumänien), sondern auch Schweden mit einem nahezu doppelt so hohen Wachstum (1,7 Prozent) und die Niederlande (1,5 Prozent). Im Vorjahresvergleich platziert sich Österreich trotz eines Zuwachses von 2,9 Prozent nur auf Rang 20 (ex aequo mit Portugal). „Es geht in Österreich vor allem deshalb spürbar aufwärts, weil die europäische Wirtschaft insgesamt zu einer beeindruckenden Dynamik zurückgefunden hat“, so IV-Generalsekretär Neumayer.

Wie sich bereits zum letzten Quartalstermin abzeichnete, hat das IV-Konjunkturbarometer, welches als Mittelwert aus den Beurteilungen der gegenwärtigen Geschäftslage und der Geschäftslage in sechs Monaten bestimmt wird, im Sommer seinen Zenit erreicht und verharrt seitdem nahezu unverändert auf einem hohen Niveau von +37 Punkten nach zuvor +39 Punkten. Der erste österreichische Konjunktursommer seit sechs Jahren geht somit in eine freundliche Herbstkonjunktur über. Allerdings bleibt der beträchtliche Abstand zu den historischen Höchstständen des IV-Konjunkturbarometers aus früheren Jahrzehnten erhalten.

Die Ergebnisse im Detail

„Die Aufwärtsdynamik in Österreich hat sich im vergangenen Quartal sektoral und regional weiter gefestigt. Allerdings ist nun bereits zum zweiten Mal eine Auseinanderentwicklung bei den beiden Teilindikatoren der aktuellen Geschäftslage und den Geschäftserwartungen zu beobachten, welche sich zudem noch stärker akzentuiert“, wie Helmenstein erläuterte. „Dieser Befund birgt bereits den Keim einer Abschwächung in sich, es sei denn, externe Impulse würden der Konjunktur neue Schubkraft verleihen.“

Denn wie schon im vorhergehenden Quartal verbessert sich der Indikator für die aktuelle Geschäftslage (+64 Punkte nach +60 Punkten) zwar nochmals, hingegen bilden sich die Geschäftserwartungen (+10 Punkte nach +17 Punkten) auf Sicht von sechs Monaten jedoch deutlich zurück. Innerhalb des letzten halben Jahres hat sich der Anteil der Optimisten um ein Drittel verringert und der Anteil der Pessimisten von tiefstem Niveau aus verdreifacht. Dieses Ergebnis lässt trotz der anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten eine fortgesetzte konjunkturelle Expansion in Österreich auch über den Jahreswechsel hinaus erwarten. Allerdings sind flankierende wirtschaftspolitische Reformmaßnahmen angezeigt, um die Tragfähigkeit des Aufschwunges zu unterstützen.

In Übereinstimmung mit der vorsichtigeren Einschätzung des weiteren Konjunkturverlaufes pendeln sich die Gesamtauftragsbestände auf einem auskömmlichen Niveau von +56 Punkten nach zuvor +60 Punkten ein. Ebenfalls stabil, wenngleich auf etwas niedrigerem Niveau, präsentieren sich die Auslandsaufträge (+53 Punkte nach +52 Punkten). Hier schlägt sich der hohe Wettbewerbsdruck, sowohl aufgrund fortbestehender globaler Überkapazitäten als auch aufgrund einer Aufwertung des Euro binnen Jahresfrist um 8 Prozent, zwar dämpfend nieder, doch wird er in seinen realwirtschaftlichen Auswirkungen derzeit vom hohen europäischen Konjunkturmomentum überkompensiert.

Die gute Mengenkonjunktur nutzend, planen die Unternehmen eine abermalige Ausweitung ihrer Produktionstätigkeit. Der saisonbereinigte Wert auf Sicht eines Quartals legt von +24 Punkten auf +28 Punkte zu.

Der Rücksetzer des Vorquartals hinsichtlich des Beschäftigtenstandes wird zu diesem Termin nur zur Hälfte kompensiert (+21 Punkte nach +17 Punkten). Die Beschäftigungsexpansion in der Industrie setzt sich somit zwar fort, doch bremst der Fachkräftemangel trotz einer prinzipiell hohen Einstellungsneigung den Beschäftigungsaufbau. Vor diesem Hintergrund sollte nicht nur die Beschäftigung in Österreich in den kommenden Monaten weiter deutlich zunehmen, sondern auch die Arbeitslosigkeit – vor allem in den Bundesländern mit einer hohen Industriequote – spürbar zurückgehen.

Bei der Entwicklung der Verkaufspreise erzwingen steigende Marktnotierungen für Industrierohstoffe eine Kostenüberwälzung, sodass ein Saldo von +5 Punkten resultiert. Die Ära fallender Verkaufspreise für Industriegüter ist somit Geschichte. Unter Berücksichtigung des entsprechenden zeitlichen Nachlaufs werden diese Produkte folglich ihren dämpfenden Einfluss auf den Preisauftrieb bei Konsumgütern in Österreich allmählich verlieren.

Der Saldo der Ertragslage erhöht sich vor dem Hintergrund der günstigen aktuellen Geschäftslage nochmals leicht von +28 Punkten auf nunmehr +30 Punkte. Er liegt damit auf einem Niveau, welches schon seit einem Jahr nahezu unverändert besteht. Positive Entwicklungen bei den Absatzmengen einerseits werden durch negative Entwicklungen bei den nicht zur Gänze überwälzbaren Kostensteigerungen bei Vorprodukten andererseits kompensiert, während hohe administrative Belastungen fortbestehen. Hingegen bilden sich die Ertragserwartungen innerhalb des schon seit acht Jahren bestehenden Schwankungskorridors von +11 Punkten auf nunmehr +8 Punkte zurück.

Die IV-Konjunkturumfrage: Zur Befragungsmethode

An der jüngsten Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung beteiligten sich 395 Unternehmen mit rund 261.300 Beschäftigten. Bei der Konjunkturumfrage der IV kommt die folgende Methode zur Anwendung: Den Unternehmen werden drei Antwortmöglichkeiten vorgelegt: positiv, neutral und negativ. Errechnet werden die (beschäftigungsgewichteten) Prozentanteile dieser Antwortkategorien, sodann wird der konjunktursensible „Saldo“ aus den Prozentanteilen positiver und negativer Antworten unter Vernachlässigung der neutralen gebildet.

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