Industrieland Österreich - Industriestrategie

Die Industriellenvereinigung hat in den vergangenen Monaten mit rund 800 Expertinnenund Experten der IV-Mitgliedsbetriebe konkrete Handlungsempfehlungenerarbeitet, um die Wettbewerbsfähigkeit des Landes wieder zu verbessern.

Österreich ist mit einer Exportquote von über 60 Prozent tief im Weltmarkt verwurzelt. Um dort mitzumischen, ist es wichtig, zumindest in einigen Bereichen besser zu sein als andere. Zuletzt scheint Österreich das immer weniger gut zu gelingen. Ein Indikator dafür ist die Wettbewerbsfähigkeit, und da sieht es laut einer Analyse des Institute for Management Development (IMD) für 2023 nicht so gut aus für das exportstarke Land im Herzen Europas: Österreich schafft es lediglich auf Platz 24 von 64 Ländern im World Competitiveness Ranking und hat sich damit im Vergleich zum Vorjahr um vier Plätze verschlechtert. Mit Dänemark, Irland und der Schweiz liegen mit Österreich vergleichbare Länder auf den ersten drei Plätzen. Insbesondere Dänemark hat in den vergangenen Jahren bewiesen, wie erfolgreiche Standortpolitik funktioniert. Gezielte Maßnahmen und Initiativen in den Bereichen Deregulierung, Entbürokratisierung und Handelspolitik sowie ein erfolgsorientiertes Bildungssystem und eine aktive Arbeitsmarktpolitik mit Erwerbsanreizen brachten das Land an die Spitze.

„Österreich muss sich wieder auf seine Stärken besinnen und die gesamte Gesellschaft an Bord holen, um das Land wieder in eine Top-Position zu bringen. Gelingt uns das nicht, sind die Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit und damit für Arbeitsplätze, Sozialstaat und Wohlstand im Land verheerend“, sagt IV-Präsident Georg Knill. Und weiter: „Eckpfeiler wie soziale Marktwirtschaft, Leistungsbereitschaft und Eigenverantwortung werden in den Hintergrund gedrängt. Derzeit dominieren Populismus, Nanny- State-Mentalität und Vollkasko-Einstellung den Diskurs und reduzieren die Standortattraktivität.“ Es sei höchste Zeit, sich wieder auf jene Werte zu besinnen, die Österreich zu einem Industrieland mit hoher Lebensqualität und stabilem Wohlstand gemacht haben. Dazu gehöre ein klares Bekenntnis zum freien Markt – statt überbordender staatlicher Intervention – als Basis für eine harmonische Balance zwischen sozialer Verantwortung und wirtschaftlicher Effizienz. Österreich habe sich zudem stets durch Innovationsgeist und harte Arbeit ausgezeichnet. Gemessen an der Erfinderdichte, also der Anzahl der Patente pro 1.000 Einwohner, ist Österreich beispielsweise in der Bahnindustrie Weltspitze und in der Automobilindustrie auf Platz fünf.

Reduktionspfad für Steuern und Abgaben

„Die Bereitschaft, die ‚Extrameile‘ zu gehen und neue Wege zu beschreiten, hat uns zu einem erfolgreichen und innovativen Industrieland gemacht. Dieses Erbe gilt es anzunehmen und weiterzuführen, um den Herausforderungen der Zukunft gewachsen zu sein. Dafür muss sich Leistung in Österreich jedoch wieder lohnen, damit den zahlreichen leistungsbereiten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wieder mehr von ihrem Bruttolohn übrig bleibt“, so Knill. Die Industriellenvereinigung fordert konkret, die Steuer- und Abgabenquote von derzeit vergleichsweise hohen 43,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts konsequent zu senken. Ähnlich dem Emissionsreduktionspfad in der Klimapolitik soll es bei Abgaben eine verpflichtende Belastungsgrenze von 40 Prozent bis 2030 geben.

Basis für den Erfindergeist Österreichs ist außerdem ein gelungenes Zusammenspiel aus ergebnisoffener Grundlagenforschung und deren Übersetzung in industrielle Anwendungen. Die Industriellenvereinigung setzt sich daher intensiv für einen Wissenschaftsfokus und Technologieoffenheit ein.

Eine weitere wesentliche Zutat für den Erfolg Österreichs am Weltmarkt ist eine aktive und offene Handelspolitik, die Internationalität und Globalisierung als Grundpfeiler des Wohlstands versteht. Diese Erfolgsgeschichte hat mit dem Beitritt zur EU begonnen: Im Jahr 1994, vor dem EUBeitritt Österreichs, exportierte das Land noch Waren im Wert von umgerechnet 37 Milliarden Euro, danach folgten mehrere Internationalisierungsschübe, die die Exporte auf 195 Milliarden Euro im vergangenen Jahr ansteigen ließen. „Das Industrieland Österreich kann nur mit einem zuverlässigen Netzwerk die richtigen Antworten auf aktuelle Herausforderungen geben. Zudem sind wir als exportorientierte Volkswirtschaft wesentlich auf internationale Kooperationen angewiesen“, so Knill in Hinblick auf die Stärkung und den Ausbau internationaler Handelsabkommen wie etwa mit der Mercosur- Region in Südamerika.

POWER FÜR DAS INDUSTRIELAND 

Wie ein Akku, der seine volle Energie verloren hat, fehlt es auch dem Industrieland Österreich an voller Kraft. Um die Powerbank wieder aufzufüllen, sind konkrete Maßnahmen in zentralen standortpolitischen Handlungsfeldern zu setzen. 

  1. Ein moderner Staat, der schlank und leistungsfähig für bestmögliche standortpolitische Rahmenbedingungen sorgt.
  2. Eine hoch entwickelte, resiliente und gut ausgebaute Infrastruktur von der Straße bis zum Breitband.
  3. Top-Bildung und -Ausbildung von jungen Talenten und erstklassigen Fachkräften aus dem In- und Ausland.
  4. „New Work“ im Sinne einer modernen, flexiblen und leistungsorientierten Arbeitswelt für Menschen und Betriebe.
  5. Eine Klima- und Energiepolitik, die auf Technologie und Innovation setzt sowie marktwirtschaftliche Rahmenbedingungen nützt, um die Industrie als Transformationskraft zu unterstützen.
  6. Forschung, Technologie und Innovation, um Innovationsführerschaft zu erlangen und damit im internationalen Standortwettbewerb die Nase vorn zu haben.
Foto: IV

Die vollständige Industriestrategie finden Sie hier: 

https://industrieland-oesterreich.at/

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