Industrie zu PISA: Weckruf für „Qualitätsoffensive Grundbildung“

IV-Friesl: Lesekompetenzen verbessern – Fokus auf Spitze und Breite in Grundbildung – Brauchen zwei verpflichtende Kindergartenjahre und Grundbildungsnachweis

„Wenig Überraschendes, keine klaren Abwärts- oder Aufwärtstrends, bei PISA also nichts Neues“, sieht der Leiter des Bereichs Bildung & Gesellschaft in der Industriellenvereinigung (IV), Prof. Christian Friesl, in den heute präsentierten Ergebnissen der PISA-Erhebung 2018, deren Fokus auf den Lesekompetenzen lag. Seitens der Industrie verstehe man die vorliegenden Resultate einmal mehr als „Weckruf für grundlegende Reformen“, so Friesl. Denn sinnerfassendes Lesen sei eines der wichtigsten Werkzeuge, um als mündige Bürgerin oder mündiger Bürger an Gesellschaft und Wirtschaft teilnehmen zu können. „Trotzdem hat Österreich gerade in diesem Bereich immer noch Aufholbedarf. Wenn fast ein Viertel der 15-Jährigen beim Lesen besonders leistungsschwach ist, dann ist das ein seit Jahren beunruhigender Dauer-Befund. Generell gibt es in allen getesteten Bereichen zu viele Risikoschülerinnen und -schüler. De facto entlassen wir also jede Vierte und jeden Vierten mit gravierenden Lücken in die weitere Bildungslaufbahn bzw. in das Arbeitsleben. Und auch bei den Spitzengruppen lassen wir immer noch zu viel Potenzial ungenutzt“, warnt der IV-Bereichsleiter.

Jeder früh investierte Euro kommt als Bildungsrendite zigfach zurück

Der Appell in Richtung einer neuen Bundesregierung sei daher klar: „Es braucht eine Qualitätsoffensive in der Grundbildung, deren Fokus in der Breite und in der Spitze liegen muss.“ Konkret bedeute dies u.a. gemeinsame Mindeststandards in den Kulturtechniken, die alle 14-Jährigen verlässlich erreichen sollen und können. „Gleichzeitig benötigen wir aber auch Anstrengungen, um das Potenzial an der Spitze – also bei den Leistungsstarken – besser heben zu können. Etwa mit einer umfassenden Begabten- und Spitzenförderungsstrategie“, betont Friesl. Der institutionelle Startschuss für eine gute Grundbildung müsse jedenfalls bereits in der Elementarbildung mit zwei verpflichtenden Kindergartenjahren für alle Kinder erfolgen. Denn, so Friesl, „jeder früh investierte Euro kommt als Bildungsrendite zigfach zurück“. Als formaler Schlusspunkt wiederum sollte ein Grundbildungsnachweis eingeführt werden. „Damit wird sichergestellt, dass die Schülerinnen und Schüler nicht nur die Pflichtschulzeit absitzen, sondern die Schule mit dem für das Leben notwendigen Rüstzeug verlassen. Der Grundbildungsnachweis signalisiert den Übergang zum Erwachsenwerden und ist eindeutig positiv besetzt“, konkretisiert Friesl, der abschließend dafür plädiert, „die aktuellen PISA-Ergebnisse zum Anlass für einen politischen Schulterschluss und grundlegende Reformen in der kommenden Legislaturperiode zu nehmen“.

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