Bonus-Malus-System kontraproduktiv und geht an notwendigen strukturellen Veränderungen vorbei

Neumayer: Höheres gesetzliches Antrittsalter ist der wirksame Hebel – Bonus-Malus-Modelle bestrafen ohnehin unter Druck stehende Betriebe
Die Industriellenvereinigung (IV) reagiert kritisch auf die Ankündigung von Seniorenbund, Pensionistenverband und der Vorsitzenden der Alterssicherungskommission, das Wifo mit der Ausarbeitung eines Bonus-Malus-Systems zur Beschäftigung älterer Arbeitnehmer zu beauftragen. „Der wiederholte Ruf nach einem Bonus-Malus-Modell für Ältere geht am eigentlichen Problem vorbei. Er zielt auf eine zusätzliche bürokratische Belastung und die Pönalisierung von Betrieben ab, die ohnehin unter hohem Druck stehen – das ist der falsche Ansatz“, so IV-Generalsekretär Christoph Neumayer.
Dass der Arbeitsmarkt ein höheres gesetzliches Pensionsantrittsalter trägt, zeigt die laufende Anhebung des Frauen-Pensionsantrittsalters: Von Juni 2023 bis Juni 2026 ist die Zahl der beschäftigten Frauen zwischen 60 und 64 Jahren um über 52.000 gestiegen. Die Zahlen der Statistik Austria widersprechen zudem dem Bild, das die Seniorenvertreterinnen zeichnen: Rund drei Viertel der Menschen in Österreich gehen direkt aus einer Erwerbstätigkeit in die Alterspension, 82 Prozent nennen als Hauptgrund für den Pensionsantritt, dass die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt waren – nicht den Verlust des Arbeitsplatzes.
Statt neuer, aufwendig zu administrierender Malus-Regelungen für Betriebe braucht es aus Sicht der IV echte Strukturreformen: die schrittweise Anhebung der gesetzlichen Altersgrenzen an die demografische Realität und die Schließung der verbliebenen Frühpensionswege. „Wer glaubt, mit einem Bonus-Malus-System die notwendige Pensionsreform ersetzen zu können, irrt. Wir brauchen den politischen Mut zu echten Strukturreformen statt neuer Belastungen für die Wirtschaft“, appelliert Neumayer abschließend.

