Hochschulstrategie 2040: Einmalige Gelegenheit für einen Realitätsabgleich

Gesamthafter Blick auf die Bedürfnisse des Wissenschafts- und Wirtschaftsstandorts Österreich für die nächsten 15 Jahre notwendig
Angesichts wachsender internationaler Konkurrenz, beschleunigter technologischer Umbrüche und tiefgreifender demografischer Veränderungen ist die laufende Erarbeitung einer Hochschulstrategie 2040 mehr als ein Reformprozess – sie ist eine einmalige Gelegenheit für einen ehrlichen Realitätsabgleich. „Europas Wettbewerbsfähigkeit gerät unter Druck, der technologische Wettstreit verschärft sich und unsere Gesellschaft altert rasant. Wer den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Österreich nachhaltig sichern will, muss die Hochschulen heute so aufstellen, dass sie auch 2040 leistungsfähig und international sichtbar sind. Sie müssen stärker auf demografische Entwicklungen, Karrierepfade und Weiterbildungsbedürfnisse der Graduierten, die Auswirkungen von KI auf akademische Berufe und Zukunftskompetenzen reagieren und den Austausch mit dem Wirtschaftsstandort systematisch ausbauen“, so Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), anlässlich der am 20. April präsentierten FORWIT-Hochschulanalyse als Basis für eine Hochschulstrategie 2040.
Die FORWIT-Analyse zeigt aus Sicht der IV deutlich, wie dringend Österreich sein Hochschulsystem strategisch weiterentwickeln muss, das derzeit stark staatlich finanziert ist, mit stabilen, aber kaum leistungs- und wettbewerbsorientierten Steuerungsanreizen. Fehlende Abstimmung zwischen den 77 Hochschulen sowie geringe Agilität in Governance und Personalstrukturen bremsen die strategische Weiterentwicklung des Standorts. Strukturkonservatismus und wenig attraktive wissenschaftliche Karrierepfade schwächen internationale Wettbewerbsfähigkeit und Talentbindung. Zentrale Hebel liegen in stärkeren regionalen Verknüpfungen mit der Wirtschaft, etwa durch besseren Wissenstransfer, mehr Personalmobilität und erleichterten Zugang zu Forschungsinfrastrukturen. Ergänzend braucht es leistungsfähige Innovations- und Gründungsökosysteme sowie mehr privates Risikokapital in enger Verzahnung von Hochschul-, FTI- und Industriestrategie.
Exzellenz, Innovation und internationale Sichtbarkeit konsequent stärken
Bei aller Bedeutung der Studierendenperspektive warnt die Industriellenvereinigung vor einem zu engen Fokus der geplanten Hochschulstrategie. Hochschulen sind nicht nur Ausbildungsstätten, sondern Schlüsselakteure in regionalen und internationalen Wissens- und Innovationsökosystemen. Fragen der Governance, der Profilbildung, der Exzellenz und der professionellen Zusammenarbeit mit außerhochschulischen Partnern müssen daher konsequent mitgedacht werden.
„Europa und Österreich dürfen im globalen Wettbewerb nicht weiter an Boden verlieren. Der internationale Technologiewettbewerb in den Schlüsseltechnologien der Zukunft wird intensiver. Der zukünftige Wohlstand Österreichs kann nur gesichert werden, wenn wir in diesen Technologiefeldern mit der Weltspitze mithalten können. Die österreichischen Hochschulen haben eine wichtige Rolle bei der Forschung aber auch beim Transfer von Wissen in Wirtschaft und Gesellschaft“, so Therese Niss, stv. Aufsichtsratsvorsitzende der Miba AG und Mitglied in einer der Arbeitsgruppen zur Hochschulstrategie 2040. „Die österreichischen Hochschulen müssen diese Standortverantwortung jetzt weiter verstärken. Exzellente Forschung, Leistungsorientierung, internationale Sichtbarkeit und ein erfolgreicher Wissens- und Technologietransfer sind keine Luxusziele, sondern eine Voraussetzung für zukünftigen Wohlstand, Resilienz und Souveränität. Ein zentraler Baustein ist die Zusammenarbeit in strategischen Partnerschaften zwischen Hochschulen und Industrie.“
Die Industriellenvereinigung bekräftigt den notwendigen gesamthaften Blick auf die Bedürfnisse des Wissenschafts- und Wirtschaftsstandorts. Hochschulen sind zentrale Akteure in Innovationssystemen: Sie sichern den wissenschaftlichen Nachwuchs, treiben Spitzenforschung voran, bilden dringend benötigte MINT-Fachkräfte aus und vernetzen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Gleichzeitig verschärfen Pensionierungswellen in akademischen Berufen, neue Kompetenzanforderungen durch Künstliche Intelligenz sowie der internationale Wettlauf um hochqualifizierte Talente den Handlungsdruck.
Die Industriellenvereinigung verweist auf die strategische Bedeutung dieses Prozesses. „Die Hochschulstrategie 2040 muss eng mit der FTI-Strategie 2030, der Industriestrategie 2035 sowie den geplanten Fachkräfte- und Lifelong-Learning-Strategien verzahnt werden“, so der IV-Generalsekretär abschließend. „Nur mit klaren Zielen, Verbindlichkeit, einem breiten Ansatz und internationalem Anspruch kann Österreichs Hochschulsystem zukunftsfit aufgestellt werden.“
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